Jochen Schweizer

Jochen Schweizer ist Wahlmünchner und ist mit seiner Unternehmensgruppe in der bayerischen Landeshauptstadt seit vielen Jahren überaus erfolgreich. Der ehemalige Stuntman möchte seinen Kunden die Möglichkeit geben, unvergessliche Erlebnisse selbst zu erleben oder an andere zu verschenken – mit einer Auswahl von inzwischen über 1.100 einzigartigen Erlebnissen verschiedenster Kategorien hat das Unternehmen längst für jeden Geschmack etwas zu bieten.

Was fasziniert Sie so sehr an Abenteuern? Was macht den Reiz der Gefahr aus?

Wer etwas riskiert, kann verlieren. Wer nichts riskiert, verliert garantiert.

Was war das größte Abenteuer, das Sie persönlich erlebt haben?

Auf dem Motorrad durch Afrika. Eine Reise gleich nach meinem Abitur. Danach bin ich als ein anderer Mensch wiedergekommen. Ich hatte in den Monaten in Afrika so viel erlebt und gesehen, dass ich nicht einfach in mein altes Leben zurückkehren konnte. Ich spürte, dass diese Reise, die Abenteuer und die zum Teil lebensbedrohlichen Gefahren mich verändert hatten. Sechs Monate, 20 Tausend Kilometer – es war ein Impuls, der so stark war, dass mein ganzes Leben eine neue Richtung erhielt.

Gab es einmal eine Situation bei einem Stunt oder einer anderen riskanten Aktion, in der Sie Angst und Zweifel hatten und unsicher waren, ob alles ohne Probleme funktioniert?

Es gab ein Erlebnis, das mein Leben geprägt und sicher auch beeinflusst hat.
In meiner Zeit als Extrem-Kanute – man fuhr sehr lange Kajaks mit schmalen Sitzlucken – bin ich einmal in einen Vertikal Pin geraten. Beim Befahren eines hohen Wasserfalls blieb ich nach einem tiefen Eintauchen im Tosbecken unter Wasser in einer Felsspalte stecken. Ich hatte Tonnen von Wasserdruck im Rücken und war in meinem Boot gefangen, eine tödliche Situation, die ich in der gleichen Form nicht lange zuvor bei einem Kameraden miterleben musste. Wir konnten ihn damals nicht retten. Ich wusste also, dass mir nur wenig Zeit bleibt und ich habe es mit größter Mühe geschafft das eine Knie aus der Luke zu bringen – das andere musste ich mir gegen die Anatomie durchbrechen um mich mit dem Wasserdruck nach vorne aus dem Boot zu rollen. Manchmal tut man Dinge, von denen man zuvor nie gedacht hätte, dass es möglich ist. Ich bin überzeugt: das Leben bringt Dich in keine Situation, die nicht zu meistern ist. Bei einer anderen Aktion – es ging um eine Weltrekord-Befahrung des damals höchsten unbefahrenen Wasserfalls – habe ich trotz großem Medienaufgebot vor Ort die ganze Aktion kurzfristig abgesagt. Wegen starker Regenfälle in den Bergen stieg der Wasserstand während der schier endlos dauernden Abseilerei der Kamerateams permanent an und in der an den Wasserfall anschließenden ohnehin schon reißenden Klamm, die ich im Anschluss hätte durchfahren müssen, war der Teufel los. Die ganze Sache, die ohnehin schon eng war, erschien mir auf einmal völlig unkalkulierbar. Ich habe die Aktion abgeblasen, als nach Stunden alle bereit waren. Ich stand unter extremem Druck es zu tun und deswegen war es psychologisch eine große Herausforderung diese Entscheidung durchzuziehen. Ich habe danach lange mit mir gehadert, ob ich es nicht doch hätte riskieren sollen. Vielleicht wäre ich heute ein Held, aber tot. So bin ich meiner Intuition gefolgt und am Leben, ohne jemals zu wissen ob sie mich getäuscht hat und ich es geschafft hätte, wenn ich es versucht hätte. Mehr als 20 Jahre später bin ich überzeugt, dass es die richtige Entscheidung war.

Wie kann man lernen mit seiner Angst umzugehen? Haben Sie hierfür ein persönliches Geheimrezept?

In meiner Grundstruktur bin ich Optimist, ich sehe immer eher die Chancen als die Risiken. Aber es kommt auch vor, dass ich Angst empfinde. Dann rationalisiere ich die Situation und schaue zweimal hin, bevor ich zumeist dennoch tue, was ich mir vorgenommen habe. Insofern schärft Angst meine Wahrnehmung. Unkontrollierte Angst ist etwas, das einen einschränkt, und unfrei macht. Angst zu kontrollieren, sie zu überwinden, bedeutet, dass ich mich befreie. Es geht im Leben also nicht um die Frage, vor welchen Dingen man Angst hat. Es geht vielmehr darum an Grenzen zu stoßen und auf dem Weg dorthin die eigene Angst zu überwinden. In der Unsicherheit liegt ein großes Feld von Möglichkeiten, das ich nicht erreichen kann, wenn ich nur nach Sicherheit strebe.

Wie entstand die Idee Erlebnisse zu verkaufen? Waren Sie sich bei der Unternehmensgründung sicher, dass das Konzept aufgeht?

Am Anfang stand die Idee aufregende Erlebnisse anzubieten, Sachen eben, die mir selbst immer Spaß gemacht haben: Canyoning, Kayakfahren, Höhlengehen, Klettern, Springen, Fliegen, Tauchen. Durch alle Elemente eben. Dann haben kluge Frauen, begonnen, dafür Gutscheine bei mir zu kaufen, um damit Ihre Männer zu beschenken. Plötzlich richtete sich mein Angebot nicht mehr nur an diejenigen, die selbst etwas erleben wollten, sondern an „Erlebnisgeschenke-Verschenkerinnen“. Das Erlebnisgeschenk – und vielmehr noch die in unseren Geschäften heute erhältlichen Erlebnis-Geschenkboxen mit einem Gutschein für eines von hunderten Erlebnissen, erfüllen eine soziale Funktion. Wer Erlebnisse schenkt, zeigt, dass er sich Gedanken gemacht hat. Wir verkaufen 400.000 Erlebnisse pro Jahr und das funktioniert nur dann, wenn wir stets das Beste auswählen. Im Moment desErlebens zählt nur eines: der Augenblick. Dieser eine besondere Augenblick. Alles andere, die Logistik, das Marketing, die Kommunikation und auch das Wirtschaftliche sind (notwendiges) Beiwerk um einem Menschen einen außergewöhnlichen Augenblick zu ermöglichen, den er von einem anderen geschenkt bekommen hat. Wer einen Sprung, Flug oder Kletterkurs bei einem professionellen Anbieter kauft, macht alles richtig. Er hat sich Gedanken gemacht. Ob sich um ein bestimmtes Erlebnis ein Trend entwickelt, kann ich nicht beeinflussen. Es findet statt – oder eben nicht.

Ist die Risikobereitschaft Ihrer Kunden heute größer als früher? Und wenn ja, woran liegt das?

Ich würde nicht sagen, dass die Kunden risikobereiter sind. Das Angebot an tollen Sachen, die man machen kann, ist unglaublich groß geworden. Wir machen mit außergewöhnlichen Erlebnissen Träume wahr. Menschen sehnen sich nach ehrlichen, authentischen Momenten in ihrem Leben.. Das ist auch meine persönliche Sehnsucht. Das kann für den einen ein Actionerlebnis sein, z.B. ein Fallschirmsprung, für den anderen ist es ein sensuales Erlebnis, wie z.B Floating, eine Wellness Massage oder „Dinner in the Dark“. Und wieder andere erinnern sich gern an die gemeinsamen Momente bei einem Goldschmiedekurs mit dem Freund oder einem Fotoshooting mit der Freundin. Jedem Erlebnis ist gemein, dass der Verschenker dem Beschenkten für immer in guter Erinnerung bleibt. Denn die meisten Gegenstände verlieren an Wert, man schreibt sie ab. Erlebnisse jedoch sind unvergänglich.

Wie viele der Erlebnisse, die Ihr Unternehmen im Angebot hat, haben Sie auch selbst ausprobiert?

Bei uns gibt es über 1.100 verschieden Erlebnisse, insbesondere auch zum Verschenken. Die Hälfte davon habe ich getestet, aber ich komme nicht mehr hinterher – jede Woche kommen neue Erlebnisse dazu. Als nächstes habe ich mir ein „Konzert-Dinner im Schloss für 2“ vorgenommen und im Winter will ich nach Lappland – zum Hundeschlittenfahren in unberührter Winterlandschaft.

Haben Sie ein persönliches Highlight unter den Erlebnissen, die Ihr Unternehmen anbietet, das Sie auch selbst ausprobiert haben?

Fallschirmspringen! Wir bieten neben dem klassischen Tandem auch Solosprünge an. Am besten gefällt mir aber der Sprung aus dem Ballon. Dieser lässt sich mit dem Sprung aus dem Flugzeug nicht vergleichen. Ich habe es vor Jahren selbst gemacht, für einen Dreh mit Willy Bogner, und in meiner Autobiografie widme ich dem „Sprung aus dem Ballon“ ein ganzes Kapitel – ein wirklich außergewöhnliches Erlebnis.

Welche Kriterien muss ein Erlebnisangebot erfüllen, um für das Angebot von Jochen Schweizer interessant zu sein?

Es muss für unsere Kunden interessant sein, hochwertig sein und allen Qualitätsansprüchen von Jochen Schweizer genügen. Auch der preisliche Rahmen sollte in unser Sortiment passen und das Thema Flächendeckung – die Verfügbarkeit des Erlebnisses an mehreren Orten in Deutschland, Österreich und der Schweiz – spielt ebenfalls eine wesentliche Rolle. Für eine Wellness-Massage bieten wir mehr als 100 Orte allein in Deutschland an und für einen Fallschirmsprung haben wir mehr als 40 Dropzones im Programm, Theoretisch muss niemand weiter als 50 Kilometer fahren, egal wo er wohnt..

Gibt es inzwischen Risiken, die Sie nicht mehr bereit sind einzugehen? Solche über die Sie früher nicht einmal nachgedacht haben?

Wer mehr als zwei Jahrzehnte als Stuntman überlebt, war und ist vorsichtig und sorgfältig in seiner Arbeit – das können Sie mir glauben. Aus dem wilden Jungen von einst ist heute ein verantwortungsvoller und reflektierter 55 jähriger Unternehmer und ein leidenschaftlicher Vater geworden. Sport ist für mich immer noch sehr wichtig, ich treibe täglich Sport: Krafttraining (früher nannten wir es KÜ – körperbildende Übungen), Biken, Yoga, im Sommer Kajakfahren und im Winter Skifahren. Jedoch sind meine körperlichen Fähigkeiten mit 55 Jahren nicht mehr die gleichen wie mit 20. Heute schlägt mich mein ältester Sohn in den meisten Disziplinen. Nur im Rennkayak, da bin ich immer noch vorne. Schließlich fahre ich seit mehr als 45 Jahren intensiv Kayak, Das muss man sich mal vorstellen. Allerdings ist es heute nicht mehr das wilde Wasser, das mich reizt, sondern ich liebe das stille kontemplative, schwingende Dahingleiten in alten Mahagoni-Rennkajyaks. Die sind heute nicht mehr wettbewerbsfähig und wurden durch Kunststoffboote ersetzt. Und so kaufe ich mir schönen alten Boote wenn sie mir begegnen, ich restauriere sie und fahre sie mit stiller Freude. Am liebsten an der Regattastrecke in Oberschleißheim, zur blauen Stunde, wenn der Tag schon gegangen und die Nacht noch nicht da ist.

Sie kommen ursprünglich aus Heidelberg, leben und arbeiten heute in München – was bedeutet diese Stadt für Sie und wie würden Sie München beschreiben?

Ich lebe schon seit vielen Jahren in München, diese Stadt ist zu meiner Heimat geworden. Ich verbinde viel mit diesem Ort. Meine erste Bungee-Sprunganlage eröffnete ich 1989 in Oberschleißheim an der Olympia-Regattaanlage. Die Bungee-Anlage steht heute noch und nach wie vor springen jedes Jahr Tausende mit uns über dem olympischen Wasser am Bungeeseil in die Tiefe. Meine ganze Unternehmensgruppe fand hier ihren Ursprung, heute beschäftige ich rund 300 Mitarbeiter. Auch familiär habe ich meinen Mittelpunkt in München. Mein Sohn Max Sandritter – der als Rennfahrer in dieser Saison in den ADAC GT Masters startet – und ich sehen uns häufig zu Yoga, Zazen-Meditation und Kampfsport, wenn er mit seinem Trainer in meinem Japanhaus seine wöchentliche Session hat. Mein jüngerer Sohn Tino beginnt im Herbst in München seine Ausbildung bei der international renommierten Agentur Avantgarde.

Haben Sie einen Lieblingsort in München?

Die Olympia-Regattaanlage in Oberschleißheim. Wann immer es meine Zeit erlaubt halte ich hier inne und fahre eine stille Runde in einem schlanken Boot aus Holz. Das ist meine Meditation, die mir die Kraft gibt, das hohe Tempo durchzuhalten, das wir hier im Unternehmen fahren. Früh am Morgen oder spät am Abend lege ich hier meine fünf oder zehn Kilometer zurück, so bleibe ich auch körperlich in Form.

Wie sieht ein normaler Tag in Ihrem Leben aus?

Ich stehe zwischen 5 und 6 Uhr auf, mache mir einen Tee und gehe durch den Garten in mein Yogahaus. Dort mache ich meine morgendlichen Übungen. Danach ein gesundes Frühstück und ein frisch gepresster Karotte-Apfel-Sellerie-Rotebeete-Ingwer-Saft. Parallel dazu bearbeite ich die wichtigsten E-Mails. Bevor ich ins Unternehmen in der Rosenheimer Straße fahre, habe ich oftmals schon dutzende E-Mails bearbeitet und bin up to date. Im Büro bin ich dann meist von Mittag und so lange bis das wichtigste erledigt ist. Unwichtiges lasse ich gerne auch mal liegen, das erledigt sich dann oft von selbst. Danach freue ich mich auf meine Familie, auf den Sport und einen ruhigen Tagesausklang. Oftmals muss ich aber auch zum Flughafen, denn am nächsten Morgen warten schon neue Termine auf mich. Wichtig ist mir, dass ich einmal am Tag ausschließlich Zeit für mich alleine habe. Sei es im Boot oder im Japanhaus – aber ich lebe nach einer Regel des Dalai Lama die lautet: „Spent some time alone every day“.

Was haben Sie für sich und Ihr Unternehmen in den nächsten Jahren geplant?

Da bin ich sehr ambitioniert. Zurzeit planen wir eine Multierlebnisdestination in München – mit Gastronomie, einer stehenden Welle, Kletterpark, Seminarräumen für Firmenkunden und einem absoluten Highlight: dem dann weltweit modernsten Windtunnel, in dem sich der Ur-Traum des Menschen erfüllt – frei zu fliegen, mit nichts als dem eigenen Körper zu fliegen! Und außerdem entwickeln wir neue und erweiterte Services rund ums Erlebnis: von der direkten Buchbarkeit mit Wettergarantie bis hin zu Gruppenerlebnissen und Erlebnispunkte-Bonussystemen für Firmen.

Daniel Fürg

Daniel Fürg absolvierte eine Ausbildung beim Bayerischen Rundfunk und bildete sich an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing zum Kommunikationswirt fort. Er gründete verschiedene Onlinemedien, wie zum Beispiel MUNICH's BEST, 100SINS oder Social Secrets und arbeitete unter anderem für den Bayerischen Rundfunk, die Financial Services Einheit von Siemens, die Sana Kliniken AG und die MAROundPARTNER GmbH. Als Geschäftsführender Gesellschafter von Fürg Media berät er heute Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung ganzheitlicher Kommunikationsstrategien. Daniel Fürg engagiert sich außerdem aktiv als Mitglied des Vorstands im Internationalen PresseClub München e.V.